Laktatstufentest -
wissenschaftliche Fakten über die
Grenzen der konventionellen Leistungsdiagnostik
Ein Stufentest, d.h. eine Ergometerbelastung
bei der die Leistung in 3 oder 5 min Rhythmus gesteigert
wird, stellt meist das Standardverfahren zur
Leistungsdiagnostik dar. Dieses Verfahren wurde vor ca. 30
Jahren entwickelt und seit dem kaum verändert. Die Grundidee
des Stufentests ist es, die Reaktion des Stoffwechsels auf
eine über mehrere Minuten gleich bleibende Belastung zu
messen.
Der am meisten beachtete Parameter ist dabei
die Laktatkonzentration im Kapillarblut. Obwohl es sich z.B.
für den Marathonlauf als ein geeignetes Testverfahren
erweist, ist die Anwendbarkeit im Radsport vergleichsweise
gering.
Die Hauptkritikpunkte sind:
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1. Beim
Stufentest überlagern sich die verschiedenen
Stoffwechselwege. Diese Überlagerung macht es unmöglich,
die Leistung eines einzelnen Stoffwechselweges zu
beurteilen.
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2. Konstante
Belastungen, wie diese im Stufentest zur
Leistungsbeurteilung verwendet werden, kommen im
Radrennen selten vor (siehe
Anforderungsprofile).
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3. Die
Laktatkonzentration im Ohrläppchen steht nicht im
direkten Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit der
Radmuskulatur.
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4. Der
mittlere Fehler bei der Bestimmung der anaeroben
Schwelle beträgt mindestens 11% (11% bis 18%
nachgewiesen von (u.a. siehe Heck 1990)). Kleine Leistungsveränderungen lassen sich
damit nicht ermitteln.
Beispiel aus der Praxis:
Die bei einem Stufentest gemessene
Laktatkonzentration unterliegt zahlreichen Einflussfaktoren,
wie der realen Produktion sowie des Abbaus von Laktat in der
Arbeitsmuskulatur, die Laktatmenge, die von der
Arbeitsmuskulatur in die Blutbahn übertritt, die Menge
welche aus dem Blut wieder in andere Organe (Herz,
Oberkörpermuskeln) eintritt, sowie das Blutvolumen selbst.
Die Faktoren sind also bekannt, jedoch kann
ihr Einfluss bei dem jeweils untersuchten Athleten kaum
quantifiziert werden.
Führt man sich nun vor Augen, dass sich eine
Verschiebung der Laktat-Leistungskurve schon durch die
Veränderung eines Einflussfaktoren erzeugen lässt, bedeutet
dies für die Praxis, dass ein scheinbar „gutes“
Stufentestergebnis nicht auf eine hohe Leistungsfähigkeit
der leistungsrelavanten Systeme schließen lässt.
Eine Linksverschiebung der
Laktatleistungskurve (formal gesehen eine Verschlechterung
der Ausdauerfähigkeit) muss noch lange keine
Verschlechterung des Leistungsvermögens eines Sportlers im
Sinne seines Beanspruchungsprofils darstellen (Mader 1994):
Eine bessere Sprintleistung verschiebt die Kurve ebenso nach
links wie eine verringerte aerobe
Ausdauerleistungsfähigkeit.
So ist es kaum verwunderlich, dass ein
scheinbar gutes Ergebnis im Stufentest nur in ca. 25% der
Fälle auch mit einer guten Wettkampfleistung in Zusammenhang
zu bringen ist (Olbrecht 2003).

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